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Formen der integrativen schulischen Ausbildung

Allgemeines

Integrative schulische Ausbildung bedeutet, behinderte Kinder gemeinsam mit nicht behinderten Kindern zu betreuen und zu unterrichten.

Integrative Erziehung sollte bereits im Kindergarten beginnen. Ein Kind wird in dem Jahr schulpflichtig, in dem es vor dem 1. September sechs Jahre alt wird. Für jene Kinder, die bis zum 31. August eines Jahres ihren 6. Geburtstag haben, beginnt mit dem ersten Montag (Wien, Niederösterreich, Burgenland) bzw. mit dem zweiten Montag im September (alle anderen Bundesländer) die Schulpflicht.

Nähere Informationen zur Schuleinschreibung finden sich im Kapitel "Anmeldung (Einschreibung in die Volksschule)" ebenfalls auf HELP.gv.at.

Verfahren zur Ermittlung der Schulreife

Ergeben sich anlässlich der Schuleinschreibung Gründe für die Annahme, dass das Kind die Schulreife nicht besitzt oder verlangen die Eltern eine Überprüfung, hat die Schuldirektorin/der Schuldirektor zu entscheiden, ob das Kind die Schulreife besitzt.

Dazu kann die Schuldirektorin/der Schuldirektor

  • ein schulärztliches Gutachten einholen (wenn es erforderlich erscheint),
  • ein schulpsychologisches Gutachten einholen (wenn die Eltern dies verlangen bzw. zustimmen),
  • das Kind persönlich einladen (wenn dies nicht schon bei der Schuleinschreibung der Fall war oder es im Zuge der Klärung noch einmal erforderlich ist).

Falls Sie der Meinung sind, dass Ihr Kind noch nicht in der Lage ist, in die Schule zu gehen, können Sie sich bei der Landesschulbehörde (in Wien der Stadtschulrat) über Sinnhaftigkeit und Form eines späteren Schuleintritts beraten lassen.

Eine wichtige Unterstützung bei der Feststellung der Schulreife stellen die mehr als 200 Sonderpädagogischen Zentren in Österreich dar, die einzelnen Sonderschulen angegliedert sind. Es handelt sich dabei um Koordinationsstellen mit dem Auftrag, den Unterricht von behinderten Kindern an allgemeinen Schulen in bestmöglicher Weise zu organisieren. Dies erfolgt u.a. durch die Bereitstellung von personellen und materiellen Ressourcen sowie Beratung und Unterstützung von Eltern sowie Lehrerinnen/Lehrern.

Wo es kein Sonderpädagogisches Zentrum gibt, werden die sonderpädagogischen Aufgaben vom jeweiligen Bezirksschulrat wahrgenommen. Dieser betreut in diesem Fall auch die Sonderschulen.

Beratungsstellen:

Integration in der Volksschule

Wenn Sie sich für den Volksschulbesuch Ihres Kindes im Rahmen einer integrativen Erziehung entschieden haben und schon vorhersehbar ist, dass Ihr Kind dem Volksschulunterricht ohne spezielle Förderung nicht folgen können wird, teilen Sie das, wenn möglich, bereits ein Jahr vor der Schuleinschreibung dem Landesschulrat mit. Die Kontaktadressen erhalten Sie bei den Servicestellen der Landesschulräte.

Sie können der Landesschulinspektorin/dem Landesschulinspektor auch ärztliche oder therapeutische Befunde schicken, aus denen hervorgeht, um welche Art der Beeinträchtigung Ihres Kindes es sich handelt. So können schon frühzeitig verschiedene Möglichkeiten der Förderung überlegt und – falls erforderlich – Vorbereitungen für die Einrichtung einer Integrationsklasse getroffen werden.

In einer Integrationsklasse werden bei einer verminderten Zahl an Schülerinnen/Schülern behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam im Zwei-Lehrer-System (eine Fachlehrerin/ein Fachlehrer und eine Sonderpädagogin/ein Sonderpädagoge) unterrichtet.

Im Rahmen dieser Elementarausbildung soll den Kindern eine gemeinsame grundlegende und ausgewogene Bildung im sozialen, emotionalen, intellektuellen und körperlichen Bereich ermöglicht werden.

Für jene Kinder, die aufgrund einer physischen oder psychischen Behinderung dem Unterricht nicht folgen können, werden sonderpädagogische Betreuungsformen angeboten.

Übertritt von der Grundschule (Volksschule) in die Sekundarstufe I (Hauptschule, Neue Mittelschule oder AHS-Unterstufe)

Der Übertritt von der Grundschule in eine Schule der Sekundarstufe I (Hauptschule, Neue Mittelschule oder AHS-Unterstufe) erfordert eine sorgfältige und längerfristige Planung. Die Vorbereitungen beginnen in der Regel bereits im Schuljahr vor dem Übertritt. In dieser Vorbereitungsphase ist die Einbindung aller Beteiligten (Eltern, Lehrerinnen/Lehrer der abgebenden und aufnehmenden Schule, Sonderpädagogisches Zentrum, Landesschulinspektorin/Landesschulinspektor) sehr wichtig.

In einem Beratungsgespräch mit den Eltern wird gemeinsam der weitere Bildungsweg des Kindes besprochen. Es ist daher ratsam, wenn Sie sich schon relativ früh – möglichst am Ende der 3. Schulstufe – an den Bezirksschulrat oder an das Sonderpädagogische Zentrum wenden, um Ihre Wünsche bezüglich der künftigen schulischen Betreuung Ihres Kindes zu deponieren.

Nach den Beratungen mit den Eltern, den Vertreterinnen/Vertretern der Schulen und gegebenenfalls weiteren Expertinnen/Experten legt der Landesschulrat fest, welcher Standort für den gemeinsamen Unterricht infrage kommt.

Die Auswahl des Schulstandortes durch den Landesschulrat stellt keine Beschneidung der Elternrechte dar, sondern soll lediglich gewährleisten, dass die Behörde diejenige Schule auswählen kann, die den Bedürfnissen Ihres Kindes am besten entspricht. Dabei sind u.a. auch die Vor- und Nachteile der verschiedenen Integrationsmodelle gegeneinander abzuwägen (z.B. wohnortnahe Betreuung durch Stützlehrerinnen/Stützlehrer oder Schülertransport zu einem weiter entfernten Standort mit Integrationsklasse).

Integration in der Sekundarstufe I (Neue Mittelschule, Hauptschule oder AHS-Unterstufe)

Sie haben auch für die Sekundarstufe I laut Gesetz die Wahlmöglichkeit zwischen Sonderschulbesuch und integrativem Schulbesuch in der Hauptschule oder Unterstufe der AHS. Entscheiden Sie sich für den integrativen Weg, ist die Landesschulbehörde (der Landesschulrat) gesetzlich dazu verpflichtet, die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen, um diesem Wunsch zu entsprechen.

Für die Unterstufe der allgemeinbildenden höheren Schulen ist die Bundesgesetzgebung zuständig. Sofern eine Integrationsklasse eingerichtet werden soll, sind im Durchschnitt (je nach Bundesland verschieden) mindestens fünf Schülerinnen/Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu unterrichten.

Hauptschulen hingegen unterliegen der Landesgesetzgebung, was zu geringfügigen Unterschieden zwischen den einzelnen gesetzlichen Bestimmungen der Bundesländer hinsichtlich der schulischen Integration führen kann.

HINWEIS
Erkundigen Sie sich beim Landesschulbehörde (in Wien der Stadtschulrat) in Ihrem Bundesland, welche Bestimmungen die Landesgesetzgebung für den gemeinsamen Unterricht an Hauptschulen erlassen hat.

Aufnahmevoraussetzung für die Hauptschule, die Neue Mittelschule und AHS-Unterstufe

Für Schülerinnen/Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf gilt als Aufnahmevoraussetzung lediglich der Besuch der 4. Stufe der Volksschule bzw. einer entsprechenden Stufe der Sonderschule.

Körper- und sinnesbehinderte Kinder ab der 5. Schulstufe

Für Kinder mit Körper- oder Sinnesbehinderungen, welche die allgemeinen Aufnahmevoraussetzungen (positiver Abschluss der Volksschule oder Sonderschule) für die Hauptschule, Neue Mittelschule bzw. die Unterstufe der AHS erfüllen, ist der sonderpädagogische Förderbedarf von der Landesschulinspektorin/dem Landesschulinspektor aufzuheben. In diesem Fall können aber von der Schulbehörde Lehrplanabweichungen vorgesehen werden (z.B. teilweise oder gänzliche Befreiung von Unterrichtsgegenständen, zusätzlicher Förderunterricht).

Bei Nichterfüllung der allgemeinen Aufnahmevoraussetzungen für die Neue Mittelschule, Hauptschule oder Unterstufe der AHS oder wenn Sie als Eltern die Aufnahme in eine der Behinderung entsprechende Sonderschule wünschen, bleibt die Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs an der Schwelle zur Sekundarstufe I aufrecht.

Stand: 01.07.2016
Hinweis .
Abgenommen durch:
Bundesministerium für Bildung

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