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Schule und Kindergarten

ACHTUNG
Dieses "Aktuelle Thema" entspricht den Regelungen zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung und wird nicht laufend aktualisiert.

Allgemeines

Der Beginn der Schulzeit ist für Kinder wie Eltern eine neue Phase im Leben. Der Übergang vom Kindergarten zur Volksschule sowie die ersten Volksschuljahre sind von entscheidender Bedeutung für die weitere schulische und berufliche Entwicklung des Kindes. Das im Juli 2016 beschlossene Schulrechtsänderungsgesetz stellt dabei das erste Paket einer umfassenden Bildungsreform dar.

Mit dem Schulrechtspaket wird der Übergang vom Kindergarten zur Volksschule enger miteinander verwoben. Das letzte verpflichtende Kindergartenjahr und die ersten zwei Schuljahre werden als gemeinsamer Bildungsraum verstanden und gestaltet.

Darüber hinaus sieht das Schulrechtspaket in der Frage der Leistungsbeurteilung mehr Schulautonomie vor. Jeder Schule wird es künftig ermöglicht, schulpartnerschaftlich zu entscheiden, ob für einzelne Klassen oder auch die ganze Schule bis zur 3. Schulstufe eine alternative Leistungsbeschreibung gelten soll. Um die Kinder je nach Interessen und Bedürfnissen miteinander lernen zu lassen und in ihrer individuellen Lernentwicklung fördern zu können, wird es erstmals auch die Möglichkeit geben, schulautonom jahrgangs- und klassenübergreifenden Unterricht zu führen.

Verpflichtendes Kindergartenjahr

Seit dem Kindergartenjahr 2010/2011 ist der halbtägige Kindergartenbesuch (mindestens 16 Stunden pro Woche) für Kinder, die vor dem 1. September des jeweiligen Jahres fünf Jahre alt geworden sind, von September bis Juni (mit Ausnahme der Schulferien) verpflichtend. Ergänzend zur Ferienzeit und den schulfreien Tagen kann auch ein Urlaub im Umfang von drei Wochen in Anspruch genommen werden.

Ab dem Kindergartenjahr 2016/2017 sind die Bundesländer verpflichtet, allen Eltern von jenen Kindern, die vor dem 1. September des jeweiligen Jahres vier Jahre alt geworden sind und nicht bereits zum Besuch eines Kindergartens angemeldet sind, eine zeitgerechte Einladung zu einem Elterngespräch, bei dem das Kind anwesend sein muss, zu übermitteln.

In diesem verpflichtenden Elterngespräch wird auf die positiven Auswirkungen des Kindergartenbesuchs auf das Kind hinsichtlich der Erlangung von sozialen Fähigkeiten, der Erhöhung der Sprach- und Kommunikationsfähigkeit und der Kreativität aufmerksam gemacht. Es wird eine Empfehlung zum halbtägigen Besuch einer Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtung im vorletzten Kindergartenjahr abgegeben werden.

Allgemeine Schulpflicht

Die allgemeine Schulpflicht beginnt mit dem auf den 6. Geburtstag folgenden 1. September und dauert neun Schuljahre. Wird ein Kind bis zum 31. August eines Jahres sechs Jahre alt, so ist es mit 1. September dieses Jahres schulpflichtig. Die Schulpflicht gilt für alle Kinder, die sich dauernd in Österreich aufhalten unabhängig davon, welche Staatsbürgerschaft sie haben. Dauernder Aufenthalt bedeutet, dass die Kinder zumindest eine Beurteilungsperiode (das ist ein Semester) lang in Österreich sind.

Schulpflichtige Kinder müssen von den Erziehungsberechtigten bei der zuständigen Volksschule (Grundschule) angemeldet werden (Einschreibung). Die Aufnahme in die erste Klasse der Volksschule erfolgt aufgrund der Schülereinschreibung. Die Einschreibefrist wird öffentlich bekannt gegeben. Die Schulpflicht in Österreich dauert neun Jahre und gilt für Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren, d.h. von der 1. bis zur 9. Schulstufe.

Ermittlung der Schulreife des Kindes

Ergeben sich anlässlich der Schülereinschreibung Gründe für die Annahme, dass das Kind die Schulreife nicht besitzt, oder verlangen die Eltern eine Überprüfung der Schulreife ihres Kindes, hat die Schuldirektorin/der Schuldirektor zu entscheiden, ob das Kind die Schulreife besitzt.

Dazu kann die Schuldirektorin/der Schuldirektor

Noch nicht schulpflichtige Kinder, die  erst bis zum 1. März des kommenden Kalenderjahres sechs Jahre alt werden, jedoch schulreif sind und über die für den Schulbesuch erforderliche soziale Kompetenz verfügen (d.h. geistig und körperlich in der Lage sind, dem Unterricht der 1. Schulstufe zu folgen), können am Anfang des Schuljahres vorzeitig in die 1. Schulstufe aufgenommen werden, wenn die Eltern oder sonstige Erziehungsberechtigte innerhalb der Einschreibfrist bei der Direktion der Volksschule schriftlich darum ansuchen.

Schulstarthilfe

Gemeinsam mit der Familienbeihilfe für den September wird ein Schulstartgeld in Höhe von 100 Euro für jedes Kind im Alter von 6 bis 15 Jahren ausgezahlt. Das bedeutet, dass sich die Familienbeihilfe für den September für Kinder, die in dem jeweiligen Kalenderjahr bereits sechs Jahre alt geworden sind oder werden und noch nicht 16 Jahre alt sind, um 100 Euro pro Kind erhöht. Im Jahr 2016 wird für jene Kinder das Schulstartgeld gewährt, die in der Zeit vom 1. Jänner 2001 bis 31. Dezember 2010 geboren wurden. Es ist kein gesonderter Antrag erforderlich.

Darüber hinaus bieten einige Bundesländer einen zusätzlichen Zuschuss zum Schulstartgeld.

Sprachliche Förderung der Schülerinnen/Schüler

Im Rahmen der Initiative "Frühe sprachliche Förderung" werden für Kinder mit anderen Erstsprachen als Deutsch sowie für einsprachige Kinder mit sprachlichen Entwicklungsverzögerungen in Kindergärten im Jahr vor dem Schuleintritt Sprachfördermaßnahmen angeboten. Schülerinnen/Schüler an Volksschulen, NMS, Hauptschulen, Polytechnischen Schulen und an der AHS-Unterstufe können in ihrem 1. Lernjahr und – falls notwendig – auch im 2. Lernjahr einen so genannten "Sprachförderkurs" im Ausmaß von 11 Wochenstunden besuchen.

Die Schülerinnen/Schüler werden entweder in Kleingruppen ab acht Teilnehmerinnen/Teilnehmern zusammengefasst oder von einer 2. Lehrkraft im Regelunterricht gefördert. Schülerinnen/Schüler, die auch nach dem 2. Lernjahr an einer österreichischen Schule noch einer speziellen Förderung in der Unterrichtssprache Deutsch bedürfen, können am besonderen Förderunterricht in Deutsch (d.h. Deutsch-als-Zweitsprache-Unterricht) teilnehmen.

Maßnahmen bei Schulschwänzen

Seit 1. September 2013 bestehen Maßnahmen zur Erfüllung der Schulpflicht, um Schulpflichtverletzungen schon im Vorfeld zu verhindern. Zu Beginn jedes Schuljahres wird eine Vereinbarung über Kommunikation und Verhaltensweisen zwischen Schülern und den Klassenlehrern oder den Klassenvorständen erarbeitet. Bei fünf unentschuldigten Fehltagen in einem Semester oder 30 unentschuldigten Fehlstunden in einem Semester oder drei aufeinanderfolgenden unentschuldigten Fehltagen wird ein fünfstufiges Verfahren von Seiten der Schule in Gang gesetzt.

Schulkinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf

All jene schulpflichtigen Kinder, die einen sonderpädagogischen Förderbedarf benötigen, sind berechtigt, die Schulpflicht entweder in einer Sonderklasse oder in einer Regelklasse (Volksschule, NMS, Unterstufe des Gymnasiums) zu erfüllen, soweit geeignete Schulen vorhanden sind und der Schulweg dem Schulkind zumutbar ist. Besteht keine geeignete Schule, so hat die jeweils zuständige Schulbehörde (Landesschulräte der Bundesländer bzw. Stadtschulrat für Wien) geeignete Maßnahmen zur Ermöglichung des gewünschten Schulbesuches zu ergreifen.

Einen sonderpädagogischen Förderbedarf hat ein Kind, das infolge einer physischen oder psychischen Behinderung dem Unterricht der Regelschule ohne sonderpädagogische Förderung nicht zu folgen vermag. In einer Integrationsklasse werden bei einer verminderten Zahl an Schülerinnen/Schülern behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam im Zwei-Lehrer-System (eine Fachlehrerin/ein Fachlehrer und eine Sonderpädagogin/ein Sonderpädagoge) unterrichtet. Im Rahmen dieser Elementarausbildung soll den Kindern eine gemeinsame grundlegende und ausgewogene Bildung im sozialen, emotionalen, intellektuellen und körperlichen Bereich ermöglicht werden. Für jene Kinder, die aufgrund einer physischen oder psychischen Behinderung dem Unterricht nicht folgen können, werden sonderpädagogische Betreuungsformen angeboten.

Rechtsgrundlagen

HINWEIS
Eine Übersicht über bisherige "Themen des Monats" und "Aktuelle Themen" findet sich ebenfalls auf HELP.gv.at.
Stand: 16.08.2016
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Abgenommen durch:
Bundeskanzleramt – HELP-Redaktion