Bildungsbereich

Allgemeines

Mit dem Schuljahr 2017/2018 kommen umfassende Neuerungen und Änderungen auf Schülerinnen/Schüler, Eltern und Pädagoginnen/Pädagogen zu. Die wichtigsten Änderungen betreffen die im Zuge des Bildungsinvestitionsgesetzes beschlossene Änderung für die ganztätige Schule. Darüber hinaus die im Bildungsreformgesetz 2017 beschlossenen umfassenden Änderungen zum Autonomiepaket der Schule, sowie Änderungen bei der Berufsreifeprüfung.

Ausbau der ganztägigen Schulen

In ganztägigen Schulformen (Ganztagsschulen) müssen Schülerinnen/Schüler seltener eine Klasse wiederholen. Dadurch werden bessere Lernerfolge erzielt und es müssen weniger Kosten für Nachhilfe aufgewendet werden. Die Ganztagsschule bringt darüber hinaus auch Verbesserungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eltern und Kinder haben dabei durch den Wegfall der Hausübungen mehr Zeit für ein gemeinsames Familienleben.

Mit Inkrafttreten des Bildungsinvestitionsgesetzes am 1. September 2017 steht ab dem Schuljahr 2017/18 eine Gesamtsumme von 750 Millionen Euro zum Ausbau der Ganztagsschule zur Verfügung. Die Laufzeit der Regelung bis 2024/25 bietet Schulen und Gemeinden genügend Zeit, ihr Gesamtkonzept einer Ganztagsschule zu planen und zur Zufriedenheit aller umzusetzen. Ziel ist es, die Betreuungsquote von 20 Prozent auf 40 Prozent im Jahr 2025 zu steigern.

Die Maßnahme teilt sich in Förderungen für Infrastruktur und Förderungen für den Personalbereich auf. Gefördert werden Angebote im Bereich der ganztägigen Schulformen an allen Schultagen außer samstags, jedenfalls bis 16 Uhr und bei Bedarf bis 18 Uhr bzw. von 7 Uhr früh bis Unterrichtsbeginn. Die Fördersumme von 750 Millionen Euro setzt sich aus einem fixen Anteil von 500 Millionen Euro, die der Bund beisteuert, und einem flexiblen Anteil von 250 Millionen Euro, von Länderseite, zusammen.

Zwei Formen der ganztägigen Schule

In der ganztägigen Schule in getrennter Form findet der Unterricht am Vormittag statt. Am Nachmittag ist Zeit für Hausübungen, Sport, Freizeitaktivitäten und individuelle Förderung. Die getrennte Form kann entweder im Klassenverband oder klassenübergreifend durchgeführt werden. Die Anmeldung für die getrennte Form (Nachmittagsbetreuung) kann für alle Tage der Woche oder auch nur für einzelne Tage erfolgen und gilt jeweils für ein Schuljahr.

Bei der verschränkten ganztägigen Schule wechseln sich Unterrichts-, Lern- und Freizeit den ganzen Tag über ab. Die Anmeldung für die verschränkte Form der Ganztagsschule erfolgt für alle Schultage. Sie gilt für alle Schülerinnen/Schüler einer Klasse und für die Dauer des Schulbesuchs.

Bei beiden Formen bekommen die Kinder ein Mittagessen und werden bis mindestens 16:00 Uhr betreut, die Schule entscheidet über die Höhe des Selbstkostenanteils für Essen und Freizeit.

Schulformen

Der Ausbau der Gesamtschule betrifft folgende Schulformen:

  • Volksschulen
  • Sonderschulen
  • Neue Mittelschulen
  • Polytechnische Schulen
  • AHS-Unterstufen 
    Die AHS-Unterstufen können als ganztägige Schulform geführt werden. Dabei wird eine vergleichbare Regelung entwickelt, um die für ganztägig geführte AHS-Gruppen bzw. AHS-Klassen vorgesehenen Mittel abrufen zu können.

Teilzentrale Berufsreifeprüfung

Die Berufsreifeprüfung (Berufsmatura, Lehre mit Matura oder Lehre und Matura) hat 2017 das 20-jährige Jubiläum. Jährlich gibt es zwischen 3.000 und 3.500 Absolventinnen/Absolventen in Österreich, wovon im Anschluss fast 3 Prozent ein Studium beginnen. Zum Haupttermin 2017 wurde erstmals die teilzentrale standardisierte Reife- und Diplomprüfung eingeführt.

Die erfolgreich absolvierte Berufsreifeprüfung ermöglicht einen uneingeschränkten Hochschulzugang und bietet u.a. die Chance auf die Einstufung in den gehobenen Dienst im Bundesdienst. Mit der erfolgreich absolvierten Berufsreifeprüfung ist ein Studienwechsel jederzeit möglich

Die Berufsreifeprüfung besteht aus vier Teilprüfungen (Deutsch, Mathematik, lebende Fremdsprache, Fachbereich). Die Prüfung im Fachbereich bezieht sich immer auf die berufliche Erstausbildung.

Die Prüfungsvorbereitung kann im Selbststudium, im Fernstudium oder im Rahmen von Vorbereitungslehrgängen (Erwachsenenbildungsinstitutionen, Schulen für Berufstätige, Schulen im Rahmen der Teilrechtsfähigkeit) erfolgen. Werden Vorbereitungslehrgänge an anerkannten Einrichtungen der Erwachsenenbildung besucht, so können bis zu drei Prüfungen dort abgelegt werden. Eine Prüfung muss immer an einer öffentlichen höheren Schule abgelegt werden.

Seit 2011 sind die Teilprüfungen zur Berufsreifeprüfung in Deutsch, Englisch und Mathematik, vergleichbar mit der Matura an AHS/BHS, kompetenzorientiert durchzuführen. Seit April 2017 wird auch im Bereich Berufsreifeprüfung die standardisierte Reife- und Diplomprüfung durchgeführt.

Schulautonomiepaket

Das entscheidende Element der Bildungsreform ist der Ausbau und die Stärkung der Schulautonomie. Durch pädagogische Freiräume an den Schulen sollen bessere Lernergebnisse sowie ein besserer Einsatz von vorhandenen Möglichkeiten erreicht werden. Der Gestaltungsspielraum in der Unterrichtsorganisation wird damit massiv vergrößert. Die einzelnen Schulstandorte bekommen mehr Gestaltungsfreiheiten, um die Ausrichtung des Bildungsangebots an ihren speziellen Bedarf anzupassen. Die Art der Unterrichtsorganisation orientiert sich am Bedarf der Schülerinnen/Schüler und Eltern sowie an den pädagogischen Konzepten der Lehrpersonen. Gruppenbildungen und Unterrichtsformen können genauso flexibel gestaltet werden wie die Dauer von Unterrichtseinheiten. Auch die Öffnungszeiten können an die Bedürfnisse angepasst und somit freier festgelegt werden.

Gestaltung des Unterrichts

Klassen- und Gruppengrößen können angepasst an die pädagogisch-didaktische Gestaltung der Lernphase erstellt werden. Es gibt keine zentral vorgegebenen Mindest- oder Maximalzahlen für Gruppen. Die insgesamt gleich bleibenden, gesetzlich gesicherten Ressourcen können am Standort der Schule flexibel für schulautonome Maßnahmen eingesetzt werden.

Die Dauer von Unterrichtseinheiten kann flexibel gewählt werden. Die 50-Minuten-Stunde dient lediglich als Berechnungsgröße für die Ressourceneinteilung. Die gesamte Unterrichtszeit entsprechend dem jeweils geltenden Lehrplan ändert sich für Pädagoginnen/Pädagogen und Schülerinnen/Schüler nicht. Dadurch werden z.B. Projektunterricht, Blockungen und themenzentrierter Unterricht vereinfacht.

Die Öffnungszeiten können flexibel gestaltet werden. So kann etwa von 7 bis 8 Uhr in der Früh eine Lern- und Arbeitszeit angeboten werden. Damit kann auch auf die Erfordernisse des Berufslebens der Eltern verstärkt eingegangen werden.

Gestaltung der Schule

Die Leitung der Schule bzw. des Schulclusters (Zusammenschluss von schulischen Verwaltungseinheiten) führt selbst den Auswahlprozess für neu hinzukommende Lehrkräfte durch. Die Behörde prüft die formalen Erfordernisse und übernimmt die dienstrechtliche Abwicklung. Sie greift nur dann steuernd ein, wenn sich für bestimmte Standorte keine geeigneten Bewerberinnen/Bewerber finden.

Die Schulen bzw. Schulcluster können ihr individuelles pädagogisches Konzept entwickeln, das als Rahmen für alle weiteren pädagogischen, organisatorischen und strukturellen Entscheidungen fungiert.

Schulinterne Fortbildungen werden ausgebaut. Der Anteil wird sich stärker an den Bedürfnissen der Schulstandorte bzw. Schulcluster orientieren. Ein berufsbegleitendes elektronisches Portfolio dokumentiert alle Fort- und Weiterbildungsaktivitäten der Pädagoginnen/Pädagogen.

Die Schulleitungen bzw. Schulclusterleitungen können direkt für die Schule bzw. den Schulcluster maßgeschneiderte Fortbildungen an der Pädagogischen Hochschule für das Team anfordern. Eine gezielte Personal- und Schulentwicklung kann so leichter weiterentwickelt werden.

Neuerungen für Schülerinnen/Schüler

  • Unterschiedliche Unterrichts- und Lernangebote, mehr Freude am Lernen und besseren Lernerfolg durch flexiblere und altersadäquate Gestaltungsmöglichkeiten
  • Verstärkte Orientierung an den individuellen Lernprozessen durch flexible Zeitstrukturen
  • Stärkung des Bildungs- und Freizeitangebots auch an Kleinschulen zur Förderung aller Talente, Begabungen und Interessen im Schulcluster
  • Vermehrte gemeinsame Projekte zwischen Schulstandorten und der "schulischen Außenwelt"
  • Bessere Begleitung an den Übergängen zwischen den Schularten im Cluster und im Clusterverbund (Volksschulen/NMS/Polytechnische Schule/AHS/HTLu.a.)

Neuerungen für Eltern

  • Mitsprache auf allen Ebenen (Klassenforum, Schule, Cluster)
  • Schulautonome Tage werden im Schulcluster aufeinander abgestimmt
  • Kleinere Schulstandorte werden durch Clusterbildung abgesichert
  • Verstärkte Orientierung an den individuellen Lernbedürfnissen der Schülerinnen/Schüler
  • Vielfältiges Angebot im Bereich der Lern- und Freizeitgestaltung durch Cluster

Neuerungen für Pädagoginnen/Pädagogen

  • Mehr Freiraum, den Unterricht offener und innovativ zu gestalten
  • Mehr Möglichkeiten, individuell auf die Bedürfnisse der Schülerinnen/Schüler am Schulstandort einzugehen
  • Zusätzliche administrative Unterstützung im Cluster in Pflichtschulen
  • Einfachere Vernetzung mit Kolleginnen/Kollegen sowie mit außerschulischen Expertinnen/Experten
  • Gemeinsames professionsorientiertes Arbeiten in der Region
  • Bedarfsorientierte, maßgeschneiderte Fortbildungen im Schulcluster
  • Weniger fachfremder Unterricht

Rechtsgrundlagen 

Berufsreifeprüfungsgesetz (EStG)

HINWEIS
Eine Übersicht über bisherige "Themen des Monats" und "Aktuelle Themen" findet sich ebenfalls auf HELP.gv.at.
Stand: 08.08.2017
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Abgenommen durch:
Bundeskanzleramt – HELP-Redaktion