Neuerungen im Schuljahr 2018/2019

Das Schuljahr 2018/2019 bringt für Schülerinnen/Schüler, Pädagoginnen/Pädagogen und für die schulische Administration umfassende Änderungen und Neuerungen.

ACHTUNG
Dieses "Aktuelle Thema" entspricht den Regelungen zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung und wird nicht laufend aktualisiert.

Deutschförderklassen und Deutschförderkurse

Der Erwerb bzw. die Kenntnis der Unterrichts- und Bildungssprache Deutsch stellt die Grundlage für die Beteiligung an allen Bildungsprozessen dar und bildet damit eine wesentliche Voraussetzung für den Schulerfolg und die spätere Integration in den Arbeitsmarkt sowie für die Teilhabe am politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben.

Das neue Modell der Deutschförderklassen und Deutschförderkurse für außerordentliche Schülerinnen/Schüler auf Primarstufe (Vorschule/Volksschule/Inklusive Schule) und Sekundarstufe (Neue Mittelschule/Allgemeinbildende Höhere Schule (AHS) – Unterstufe/Inklusive Schule) verstärkt die bisherigen Maßnahmen, um die Qualität der Deutschförderung in Österreich weiter zu verbessern.

Entscheidend ist, dass Deutschförderung als Teil der Schulentwicklung und damit als Herausforderung für den gesamten Schulstandort gesehen wird. Die Deutschförderklassen und Deutschförderkurse sind somit nur einer der drei Bausteine

  • Deutschförderung für außerordentliche Schülerinnen/Schüler,
  • Deutschförderung für ordentliche Schülerinnen/Schüler und
  • sprachsensibler Unterricht in allen Fächern

und werden idealerweise mit dem schulpartnerschaftlichen Konzept, der Personalentwicklung sowie dem Entwicklungsplan und dem gesamten Qualitätsmanagement am Standort eng verbunden.

Grafik Deutschförderklasse 2018

Quelle: BMBWF

Standardisierte Schulreife

Es wurden einheitliche Kriterien bei der Entscheidung über die Schulreife für die Volksschule beschlossen. Die darin festgelegten Standards werden vor allem sogenannte "schulische Vorläuferfähigkeiten" (Feinmotorik/zahlenbezogenes Vorwissen) umfassen. Als kognitive Kriterien für die Schulreife gelten unter anderem "phonologische Bewusstheit" (z.B. Reime erkennen, Wörter in Silben klatschen), das Benennen vertrauter Objekte, mengenbezogenes Vorwissen (Unterscheidung der Begriffe "mehr", "weniger" und "gleich viel", Mengen nach Größe ordnen), zahlenmäßiges Vorwissen (Zahlwörter verwenden, einfache Rechnungen wie "Aufteilen" oder "Dazugeben") sowie altersgemäße Aufmerksamkeit und Konzentration.

Wie bisher kommen nicht schulreife schulpflichtige Kinder in Vorschulklassen. Die Entscheidung über die Schulreife liegt auch künftig bei der jeweiligen Schuldirektorin/dem jeweiligen Schuldirektor und wird auf Grundlage des persönlichen Kontakts mit dem Kind getroffen.

Unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht

Die neue Regelung sieht vor, dass die Schulleitung oder auch die Lehrpersonen effektive Sofortmaßnahmen setzen dürfen, wenn eine Schulpflichtverletzung unter drei Tagen vorliegt (z.B. das Aussprechen einer Verwarnung). Sollten schulpflichtige Schülerinnen/Schüler mehr als drei Tage ungerechtfertigt vom Unterricht fernbleiben, kann eine Verwaltungsstrafe verhängt werden. Diese beträgt mindestens 110 Euro bis höchstens 440 Euro. Das neue Modell soll nicht primär Sanktionscharakter haben, sondern in erster Linie präventiv Wirkung zeigen und darüber hinaus auch eine Verwaltungsvereinfachung bringen. Die neue Regelung ersetzt den bisherigen Fünf-Stufen-Plan.

Nichtraucherschutz an Schulen

Grundsätzlich gilt ein ausnahmsloses Rauchverbot für jede Art von Räumen, in denen Unterrichts- und Fortbildungsveranstaltungen oder schulsportliche Aktivitäten stattfinden. Damit wird das Rauchverbot auf die gesamte Schulliegenschaft (auch Schulhöfe/Sportplätze etc.) ausgedehnt. Die vormals per Hausordnung möglichen Ausnahmeregelungen wurden damit generell aufgehoben. Dieses Rauchverbot gilt für Schülerinnen/Schüler, Lehrerinnen/Lehrer und sonstige Begleitpersonen gleichermaßen.

Es ist dabei gleichgültig, wo sich die etwaigen Räumlichkeiten befinden. Ebenfalls keine Rolle spielt es, ob deren Verwendung für die erwähnten Zwecke dauernd oder nur vorübergehend ist. Auch bei einer zeitlich begrenzten Nutzung darf während des Unterrichts, der Fortbildungsveranstaltung oder der schulsportlichen Aktivität nicht geraucht werden.

Schülerparlament gesetzlich verankert

Das von den Landesschülervertretungen beschickte Schülerparlament ist nun im Schülervertretungengesetz fix verankert. Zur Förderung der Mitwirkung von Jugendlichen am Schulleben wird das aus 160 Mitgliedern bestehende Schülerinnen-/Schülerparlament im Schulrecht festgeschrieben, nachdem Schülervertreterinnen/Schülervertreter bereits seit Jahren zur Debatte über schulrelevante Themen zusammengetreten waren. Die Ergebnisse der Diskussionen werden künftig dem Parlament übermittelt, außerdem können die Schülervertreterinnen/Schülervertreter Anliegen des Schülerparlaments mit den Schulbehörden beraten.

Bildungsdirektionen

Ab 1. Jänner 2019 ersetzten neu geschaffene Bildungsdirektionen als gemeinsame Behörden von Bundesland und Bund die Landesschulräte (in Wien der Stadtschulrat). Den Bildungsdirektionen kommt die Vollziehung des gesamten Schulrechts zu. Dazu zählen auch die Qualitätssicherung, die Schulaufsicht sowie das Bildungscontrolling. Ebenso vollziehen die Bildungsdirektionen das Dienstrecht und das Personalvertretungsrecht der Bundes- und Landeslehrpersonen für öffentliche Schulen (ausgenommen der land- und forstwirtschaftlichen Schulen) sowie das Dienstrecht und das Personalvertretungsrecht der sonstigen Bundesbediensteten an öffentlichen Schulen. Auch sonstige Angelegenheiten der Bundes- oder Landesvollziehung können auf die Bildungsdirektion übertragen werden, wie z.B. das Kindergartenwesen oder das Hortwesen.

Die Bildungsdirektorin/der Bildungsdirektor wird nach Ausschreibung durch die Bildungsministerin/den Bildungsminister im Einvernehmen mit der zuständigen Landeshauptfrau/dem zuständigen Landeshauptmann auf fünf Jahre bestellt.

Flexible Klassen- und Gruppengrößen

Klassen- und Gruppengrößen können flexibel je nach pädagogisch-didaktischer Gestaltung der Lernphasen geändert werden. Es gibt keine zentral vorgegebenen Mindest- oder Maximalzahlen für Gruppen. Die insgesamt gleichbleibenden, gesetzlich abgesicherten Ressourcen können am Standort flexibel für schulautonome Maßnahmen eingesetzt werden.

Die Planung und Festlegung der Klassen- und Gruppengrößen erfolgt durch die Schulleitung, die die schulpartnerschaftlichen Gremien darüber informieren muss. Wird die Ressourcenplanung durch die Schulpartnerinnen/Schulpartner nicht unterstützt und kann keine Einigung erzielt werden, so hat der Schulgemeinschaftsausschuss (SGA)/das Schulforum das Recht, den Sachverhalt der Bildungsdirektion zur Prüfung vorzulegen. Voraussetzung dafür ist, dass mindestens zwei Drittel des SGA bzw. Schulforums das Überprüfungsersuchen unterstützen.

Flexible Dauer der Unterrichtseinheiten

Die bisher starren Bedingungen, wonach eine Unterrichtsstunde 50 Minuten zu dauern hat, werden im Rahmen der Schulautonomie geöffnet. Eine Verlängerung oder Verkürzung der Einheit aus pädagogischen oder organisatorischen Gründen ist möglich. Dadurch können je nach gewähltem Unterrichtssetting unterschiedlich lange Unterrichtseinheiten organisiert werden.

Als Berechnungsgröße für die Personalbewirtschaftung und die Ressourcenzuteilung wird die 50-Minuten-Stunde jedoch nach wie vor herangezogen. Die Öffnungszeiten der Schule sind flexibel gestaltbar, z.B. kann am Standort die Vorverlegung des Unterrichts schulpartnerschaftlich festgelegt oder eine geeignete Aufsicht organisiert werden.

Weitere Neuerungen

Digitale Grundbildung

Nach einem Pilotversuch im Vorjahr wird in der Sekundarstufe I (AHS-Unterstufe/Neue Mittelschule) flächendeckend die neue verbindliche Übung "Digitale Grundbildung" mit insgesamt zwei bis vier Wochenstunden (über die gesamten vier Jahre gerechnet) eingeführt. Auf dem Stundenplan stehen dabei etwa Office-Anwendungen, Informations-, Daten- und Medienkompetenz, Sicherheit sowie Computational Thinking. Die Schulen können selbst entscheiden, ob sie dies in speziellen Stunden oder integriert in anderen Fächern vermittelt.

Schulcluster

Zwei bis maximal acht Schulstandorte in einer Region können sich zu einem Schulcluster zusammenschließen. Der einzelne Schulstandort bleibt als Schule erhalten und wird durch die Zusammenarbeit im Cluster gestärkt. Cluster können im Bereich der Pflichtschulen (Volksschule, NMS, Polytechnische Schule, Sonderschule) oder im Bereich der Bundesschulen (AHS, BORG, HTL, HLFS, HAK/HASCH, HUM, BAfEP) eingerichtet werden.

Ein Schulcluster umfasst in der Regel mehr als 200 Schülerinnen/Schüler und darf aber nicht mehr als 2.500 Schülerinnen/Schüler umfassen. Ab 1.300 Schülerinnen/Schülern bzw. bei weniger als 200 Schülerinnen/Schülern oder wenn mehr als drei Schulen zu einem Cluster verbunden werden, muss der Zentralausschuss (ZA) der betroffenen Schulen zustimmen. Die Schulclusterleitung übernimmt die Aufgaben der bisherigen Schulleitungen und erhält eine standortübergreifende Leitungsfunktion. Die Verteilung der Lehrfächer wird im Schulcluster vorgenommen.

Schulleitungsbestellung

Der Schulgemeinschaftsausschuss/das Schulforum und der Dienststellenausschuss bekommen auch in Zukunft Informationen über die Bewerberinnen/die Bewerber um eine Leitungsstelle. Diese haben das Recht, nach allfälliger Anhörung der Kandidatinnen/der Kandidaten binnen drei Wochen ab Erhalt der Bewerbungen eine begründete schriftliche Stellungnahme abzugeben.

Auswahl von Lehrpersonen

Künftig können die Schulleitungen ihre Lehrpersonen selbst auswählen. Die Entscheidungskompetenz der Lehrpersonenauswahl wird an die Schulleitung übertragen. Sie können strukturierte Bewerbungsgespräche mit den Bewerberinnen/den Bewerbern führen und sich so selbst ein Bild über deren Kompetenzen machen. Die Schulleitung hat dann innerhalb einer von der Dienstbehörde gesetzten Frist eine begründete Auswahl aus den Bewerbungen zu treffen. Die administrativen Aspekte der Aufnahme (Prüfung der Formalkriterien, Dienstvertrag, Bezüge etc.) verbleiben bei der zuständigen Behörde. Die Behörde hat dafür zu sorgen, dass jede offene Stelle besetzt wird. Daher muss der Behörde die Letztentscheidung über die Stellenbesetzung zukommen.

Schulärzte

Die Aufgaben der Schulärztinnen/der Schulärzte erweitern sich um die Gesundheitsvorsorge für die schulbesuchende Jugend.

Rechtsgrundlagen

HINWEIS
Eine Übersicht über bisherige "Themen des Monats" und "Aktuelle Themen" findet sich ebenfalls auf HELP.gv.at.
Stand: 31.08.2018
Hinweis
Abgenommen durch:
oesterreich.gv.at-Redaktion