Ingenieurtitel NEU ab 1. Mai 2017

Allgemeines

Mit 1. Mai 2017 tritt das neue Ingenieurgesetz in Kraft. Aus der bisherigen Standesbezeichnung "Ingenieurin"/"Ingenieur" wird dann eine Qualifikation, also ein Bildungsabschluss, mit der die Inhaberin/der Inhaber nachweisen kann, dass sie/er über definierte Kompetenzen auf dem Niveau 6 des Europäischen Qualifikationsrahmens verfügt. Dadurch werden die bisher nur in Österreich anerkannten Ingenierinnen/Ingenieure auch international anerkannt.

Die Voraussetzungen für den Erwerb der Qualifikationsbezeichnung sind 

  • ein höherer berufsbildender Bildungsabschluss oder ein vergleichbarer Abschluss und
  • nachfolgende aufbauende Fachpraxis.

Für den Qualifikationsnachweis muss außerdem ein Fachgespräch absolviert werden.

Die in Frage kommenden technischen und gewerblichen Fachrichtungen sind in der IngG-Fachrichtungsverordnung festgelegt.

Erwerb der Qualifikationsbezeichnung

Ab 1. Mai 2017 gibt es − in den Grundzügen wie bisher − folgende drei Möglichkeiten des Erwerbs der Qualifikationsbezeichnung:

  • Ablegung einer Reife- und Diplomprüfung an einer höheren technischen und gewerblichen Lehranstalt oder an einer höheren land- und forstwirtschaftlichen Lehranstalt und Absolvierung einer nachfolgenden, mindestens dreijährigen und durchschnittlich zumindest 20 Wochenstunden umfassenden fachbezogenen Praxistätigkeit
  • Ablegung einer Abschlussprüfung im Ausland (formale Qualifikation), die einer Reife- oder Diplomprüfung entspricht, und Absolvierung einer nachfolgenden mindestens dreijährigen fachbezogenen Praxistätigkeit
  • Ablegung einer Reifeprüfung und Nachweis einer mit der Reife- und Diplomprüfung an einer inländischen höheren technischen und gewerblichen bzw. einer inländischen höheren land- und forstwirtschaftlichen Lehranstalt fachlich vergleichbaren Qualifikation (z.B. Matura und Ablegung einer Meister-, Befähigungs- oder Werkmeisterprüfung) und Absolvierung einer nachfolgenden mindestens sechsjährigen fachbezogenen Praxistätigkeit

Im Rahmen der fachbezogenen Praxistätigkeit müssen die durch die abgelegte Reife- und Diplomprüfung nachgewiesenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen, allenfalls unter Berücksichtigung ergänzender Weiterbildung, angewandt, vertieft und erweitert worden sein.

Die nachgewiesene Praxis der Fachrichtung muss grundsätzlich der Ausbildung entsprechen, wobei naheliegende Bereiche, die mit der Ausbildung in Zusammenhang stehen, ebenfalls zulässig sind (z.B. Abschluss in der Fachrichtung Maschinenbau, Tätigkeit im Bereich Mechatronik).

Fachgespräch als Qualifikationsnachweis

Um den Qualifikationsnachweis zu erlangen, muss im Rahmen des Zertifizierungsverfahrens ein Fachgespräch mit zwei Expertinnen/Experten aus dem eigenen Berufsbereich absolviert werden.

Die in der Praxis zu erwerbenden bzw. zu vertiefenden ingenieurmäßige Kompetenzen sind in der IngG-Fachrichtungsverordnung festgelegt. Der Qualifikationsnachweis im Rahmen des Fachgespräches mit Fachexpertinnen/Fachexperten erfolgt insbesondere anhand von Referenzprojekten. Dabei stehen die für die Ausübung der beruflichen Tätigkeit erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten im Vordergrund.

Zuständige Stelle

Die vom BMWFW beauftragten Ingenieur-Zertifizierungsstellen sind für die Abwicklung der Fachgespräche im Rahmen des Ingenieurgesetzes zuständig. Für technisch-gewerbliche Ingenieurinnen/Ingenieure muss der Antrag bei einer der Ingenieur-Zertifizierungsstellen (Berufsförderungsinstitut, TÜV oder Wirtschaftskammer) im Wohnsitzbundesland eingebracht werden.

Für land- und forstwirtschaftliche Ingenieurinnen/Ingenieure muss der Antrag beim Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft eingebracht werden. In diesen Fällen findet das Fachgespräch an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik statt.

Erforderliche Unterlagen

  • Nachweis der Personenidentität
  • Zeugnis bzw. Zeugnisse über Schul-/Bildungsabschluss
  • Praxisbestätigungen durch die Arbeitgeberin/den Arbeitgeber
  • Bei selbständiger Tätigkeit SV-Bestätigung und/oder Auszug aus dem Gewerberegister
  • Gegebenenfalls Bestätigungen über fachliche Weiterbildungen
  • Eigene aussagekräftige Beschreibungen der ingenieurmäßig ausgeführten Tätigkeiten anhand von Referenzprojekten

Kosten der Zertifizierung

Die Kosten für die Zertifizierung betragen für das Jahr 2017 pauschal 370 Euro.

Informationen zum Ingenieurgesetz 2017 (BMWFW)

Rechtsgrundlagen

HINWEIS
Eine Übersicht über bisherige "Themen des Monats" und "Aktuelle Themen" findet sich ebenfalls auf HELP.gv.at.
Stand: 22.09.2017
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Abgenommen durch:
Bundeskanzleramt – HELP-Redaktion