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Überstunden und Höchstarbeitszeit

Überstunden liegen vor, wenn die tägliche Normalarbeitszeit oder die wöchentliche Normalarbeitszeit überschritten wird. Bei allen flexiblen Arbeitszeitformen (Durchrechnung der Normalarbeitszeit, Schichtarbeit, Gleitzeit) führt auch die Überschreitung der durchschnittlichen wöchentlichen Normalarbeitszeit zu Überstunden.

Höchstarbeitszeit ist die Arbeitszeit einschließlich der Überstunden.

Anordnung von Überstunden

Die Arbeitgeberin/der Arbeitgeber kann Überstunden nur unter folgenden Voraussetzungen anordnen:

  • Die Arbeitnehmerin/der Arbeitnehmer ist zur Überstundenleistung verpflichtet
    (dies ergibt sich meist aus dem Arbeitsvertrag) oder stimmt zu.
  • Die Überstunden sind gesetzlich zulässig.
  • Berücksichtigungswürdige Interessen der Arbeitnehmerin/des Arbeitnehmers stehen nicht entgegen.
  • Die Höchstgrenzen der Arbeitszeit werden nicht überschritten.

Zulässigkeit von Überstunden

Für Überstunden muss immer ein besonderer Grund vorliegen. Dauerüberstunden sind daher nicht erlaubt.

Erhöhter Arbeitsbedarf

Bei erhöhtem Arbeitsbedarf sind fünf Überstunden pro Woche zulässig. Darüber hinaus steht ein Jahrespaket von 60 Überstunden zur Verfügung. Insgesamt sind jedoch nur zehn Überstunden pro Woche zulässig.

BEISPIEL
In einem Betrieb wird mit einer gleichbleibenden Normalarbeitszeit von 40 Stunden pro Woche gearbeitet. Der Kollektivvertrag sieht keine zusätzlichen Überstunden vor. In Wochen mit erhöhtem Arbeitsbedarf werden fünf Überstunden geleistet. In zwölf Wochen kommen weitere fünf Überstunden dazu, insgesamt werden somit zehn Überstunden geleistet. Damit ist das Jahrespaket ausgeschöpft.

Weitere fünf Überstunden (im Gastgewerbe 10 Stunden) pro Woche kann der Kollektivvertrag zulassen. 

Besonderer Arbeitsbedarf

Voraussetzung für zusätzliche Überstunden:

  • Es muss ein vorübergehender besonderer Arbeitsbedarf vorliegen.
  • Ohne diese Überstunden droht ein unverhältnismäßiger wirtschaftlicher Schaden.
  • Andere Maßnahmen sind nicht zumutbar.
  • Die Arbeitgeberin/der Arbeitgeber muss mit dem Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung abschließen.
  • In Betrieben ohne Betriebsrat müssen die Überstunden mit den Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmern schriftlich vereinbart werden. Zusätzlich muss eine Arbeitsmedizinerin/ein Arbeitsmediziner bestätigen, dass die Überstunden unbedenklich sind.

Wenn diese Voraussetzungen vorliegen, dürfen Überstunden bis zu einer Arbeitszeit von zwölf Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche geleistet werden. Dies ist in 24 Wochen pro Jahr zulässig. Nach höchstens acht Wochen muss eine Unterbrechung von mindestens zwei Wochen erfolgen.

Die durchschnittliche wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden ist einzuhalten.

Arbeitsbereitschaft

Liegt Arbeitsbereitschaft vor, kann der Kollektivvertrag die Arbeitszeit auch in Form von Überstunden verlängern. In diesem Fall kann die Tagesarbeitszeit bis zu 13 Stunden und die Wochenarbeitszeit bis zu 60 Stunden betragen.

Vor- und Abschlussarbeiten

Für Vor- und Abschlussarbeiten ist eine halbe Überstunde pro Tag möglich.

Berücksichtigungswürdige Interessen

Auch wenn eine Arbeitnehmerin/ein Arbeitnehmer zugestimmt hat, dass sie/er im Bedarfsfall Überstunden leisten wird, können besondere Interessen der Arbeitnehmerin/des Arbeitnehmers der Überstundenarbeit entgegenstehen. Es ist eine Interessenabwägung notwendig. 

BEISPIEL
Die Arbeitgeberin/der Arbeitgeber ordnet für einen bestimmten Tag Überstunden an, die auch an einem anderen Tag geleistet werden könnten. Die Arbeitnehmerin/der Arbeitnehmer muss jedoch den Sohn bei einem Arztbesuch begleiten. In diesem Fall ist das Arbeitnehmerinteresse höher. Die Arbeitnehmerin/der Arbeitnehmer kann die Überstunden ablehnen.
Die Arbeitgeberin/der Arbeitgeber ordnet außerordentlich dringende Überstunden an. Die Arbeitnehmerin/der Arbeitnehmer wollte an einem Ausflug der freiwilligen Feuerwehr teilnehmen. In diesem Fall ist das Arbeitgeberinteresse höher, die Überstunden können nicht abgelehnt werden.

Überstundenzuschlag und Zeitausgleich

Die Arbeitgeberin/der Arbeitgeber muss für Überstunden einen Zuschlag von 50 Prozent bezahlen. Anstelle dieses Zuschlags kann ein Zeitausgleich vereinbart werden. Pro Überstunde gebührt ein Zeitausgleich von 1,5 Stunden.

Der Zuschlag muss auch gezahlt werden, wenn die Überstunde gesetzwidrig war.

Tägliche Höchstarbeitszeit

Die tägliche Höchstarbeitszeit (einschließlich Überstunden) beträgt zehn Stunden. Eine längere Arbeitszeit ist in folgenden Fällen erlaubt:

Wöchentliche Höchstarbeitszeit

Die Höchstarbeitszeit (einschließlich Überstunden) in der einzelnen Woche beträgt 50 Stunden. Eine längere Arbeitszeit ist in folgenden Fällen erlaubt:

Durchschnittliche Höchstarbeitszeit

Im Durchschnitt von 17 Wochen darf die Wochenarbeitszeit 48 Stunden nicht überschreiten. Der Kollektivvertrag kann den Durchrechnungszeitraum verlängern.

Nur bei Verlängerung der Arbeitszeit bei Arbeitsbereitschaft muss diese Grenze nicht eingehalten werden.

Verwaltungsstrafbestimmungen

ACHTUNG
Arbeitgeberinnen/Arbeitgeber sind für die Einhaltung der Arbeitszeitvorschriften verantwortlich. Übertretungen der Bestimmungen betreffend der Höchstarbeitszeit sind strafbar.

Weiterführende Links

Rechtsgrundlagen

Arbeitszeitgesetz (AZG)

Stand: 01.01.2016
Hinweis .
Abgenommen durch:
Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz

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