Möglichkeiten zur Verlustverwertung

Allgemeines

Verluste aus einer steuerlich relevanten Betätigung sind grundsätzlich zu berücksichtigen. Keine solche Tätigkeit stellt eine sogenannte "Liebhaberei" dar. Unter Liebhaberei versteht man Betätigungen, die nicht darauf ausgerichtet sind, innerhalb eines überschaubaren Zeitraumes ein positives Gesamtergebnis zu erbringen. Verluste aus einer derartigen Liebhaberei sind steuerlich unbeachtlich (nicht mit positiven Einkünften aus anderen Quellen ausgleichsfähig).

Verlustausgleich

Im Regelfall können Verluste mit anderen positiven Einkünften desselben Jahres verrechnet werden. Man spricht daher von einem "Verlustausgleich". Das Einkommensteuergesetz (EStG) sieht jedoch Verlustausgleichsbeschränkungen vor. Beispielsweise können einige negative Einkünfte vorläufig nicht mit anderen positiven Einkünften ausgeglichen werden, sondern erst mit zukünftigen Gewinnen bzw. Überschüssen aus der gleichen Einkunftsquelle (§ 2 Abs 2a EStG). Besondere Regelungen gelten für den Ausgleich von Verlusten aus Grundstücken und aus Kapitalanlagen, sie sind primär mit gleichartigen Gewinnen zu verrechnen, ein verbleibender Verlustüberhang ist im betrieblichen Bereich bei Grundstücken nur zu 60 Prozent und bei Kapitalanlagen nur zu 55 Prozent (bis zum Jahr 2015 in beiden Fällen jeweils zur Hälfte) zu berücksichtigen.

Verlustvortrag (Verlustabzug)

Können bei den ersten drei (= betrieblichen) Einkunftsarten angefallene Verluste nicht mit ausreichend positiven Einkünften im gleichen Jahr ausgeglichen werden, so können sie "vorgetragen", das heißt in Folgejahren als Sonderausgaben abgezogen werden (§ 18 Abs 6 und 7 EStG). Voraussetzung ist das Vorliegen einer ordnungsmäßigen Buchführung oder Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Diese Art der Verlustverwertung nennt man (aus der Sicht des Jahres der Verlustentstehung) "Verlustvortrag" bzw. (aus der Sicht des Jahres der Verlustverwertung) "Verlustabzug".

Solche durch ordnungsmäßige Gewinnermittlung ermittelte Verluste, die ab dem Jahr 2013 entstanden und bis zum Jahr 2015 nicht verwertet werden konnten, sind im Jahr 2016 und zeitlich unbegrenzt auch in den Folgejahren abziehbar. Der Abzug erfolgt als letzte Sonderausgabe vom Gesamtbetrag der Einkünfte in höchstmöglichem Ausmaß bis zu einem Einkommen von Null.

Bis zur Veranlagung des Jahres 2015 war der Verlustabzug bei Einnahmen-Ausgaben-Rechnerinnen/Einnahmen-Ausgaben-Rechnern zeitlich begrenzt, es konnten nur die in den jeweils letzten drei Vorjahren noch nicht ausgeglichenen oder abgezogenen Verluste abgezogen werden (bei der Veranlagung 2015 daher die "offenen" Verluste aus den Jahren 2012, 2013 und 2014). Eine Sonderregelung gilt (weiterhin und überdies vorrangig) für "alte" Anlaufverluste, die bis zum Jahr 2006 im Zuge der ersten drei Jahre bei Betriebseröffnung entstanden und ebenso zeitlich unbegrenzt abziehbar sind.

Verlustrücktrag

Aufgrund der COVID-19-Krise wurde befristet eine zusätzliche Möglichkeit der Verlustverwertung geschaffen. Ordnungsgemäß ermittelte betriebliche Verluste, die im Jahr 2020 entstehen, können auf Antrag bei der Veranlagung 2019 bis zu einem Betrag von 5 Mio. Euro abgezogen werden. Ist eine Verwertung 2019 nicht möglich, kann der Verlustrücktrag unter gewissen Voraussetzungen im Jahr 2018 vorgenommen werden. Kann der Verlust aus 2020 nicht rückgetragen werden, wird er zum Verlustvortrag (siehe oben). Bei einem abweichenden Wirtschaftsjahr bezieht sich die Regelung wahlweise auf den Verlust 2020 oder 2021. Ist die Veranlagung bereits rechtskräftig, gilt der Antrag als rückwirkendes Ereignis.

Diese Bestimmung gilt sowohl für natürliche Personen als auch für Körperschaften, wobei für Konzerne der Höchstbetrag von 5 Mio. Euro mit der Anzahl der Konzernmitglieder zu multiplizieren ist. Der Verlustrücktrag ist in diesem Fall auf der Ebene des Gruppenträgers vorzunehmen.

Beispiel:

Der Steuerpflichtige A hat im Wirtschaftsjahr 1. März 2019 bis 29. Februar 2020 (= Veranlagung 2020) einen Gewinn von 100 erzielt. Im Wirtschaftsjahr 1. März 2020 bis 28. Februar 2021 (= Veranlagung 2021) verzeichnet er aufgrund der COVID-19-Krise einen Verlust von 70. Auf Antrag kann dieser Verlust von 70 auf den Gewinn von 100 rückgetragen werden. Dadurch beträgt die Steuerbemessungsgrundlage in der Veranlagung 2020 nur mehr 30, sodass sich eine Steuerersparnis ergibt und dem Unternehmer mehr Liquidität verbleibt.

Rechtsgrundlagen

§§ 2, 18 und 124b Z 355 Einkommensteuergesetz (EStG)

Stand: 14.07.2020
Hinweis
Abgenommen durch:
Bundesministerium für Finanzen
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