Hilfe zu "Gebärdensprachvideo" Deutsch | English

Kapitalbeschaffung

Eigenkapital

Nach Ermittlung des Kapitalbedarfs ist zu berechnen, welcher Teil davon als Eigenkapital aufgebracht werden soll. Es gibt keine allgemein gültige Regel, wie viel Eigenkapital aufzubringen ist. Dies ist stark branchenabhängig.

Eine detaillierte Aufstellung über Bargeld, Sparguthaben und Sachwerte, die in das Unternehmen eingebracht werden, ist anzufertigen. Um den Eigenkapitalanteil zu erhöhen, kann eine Partnerin/ein Partner für Ihr Unternehmen gewonnen werden, die/der mitinvestiert und mitarbeitet. Eventuell kommt auch die Beteiligung einer stillen Gesellschafterin/eines stillen Gesellschafters (Teilhaberin/Teilhaber) infrage, die/der sich nur mit einer Kapitaleinlage am Unternehmen beteiligt.

In diesen Zusammenhang ist zu beachten, dass diese Gesellschafterinnen/diese Gesellschafter am Gewinn des Unternehmens beteiligt sind. Eventuelle Haftungsfragen im Falle eines Verlustes sollten rechtzeitig geklärt werden.

Die Differenzsumme zwischen dem von Ihnen ermittelten Kapitalbedarf und dem Eigenkapital muss durch Fremdkapital aufgebracht werden.

Fremdkapital

Fremdkapital wird in erster Linie durch Kredite aufgebracht. Folgende Hauptgruppen von Krediten sind zu unterscheiden:

Investitionskredit

Investitionskredite dienen zur Finanzierung des Anlagevermögens (z.B. Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, Büromöbel). Diese Kredite werden langfristig gewährt, d.h. sie haben eine Laufzeit von etwa vier bis 20 Jahren.

Annuitätendarlehen haben den Vorteil, dass die Rückzahlungsbeträge über die gesamte Laufzeit gleich bleiben und so die Aufwendungen in den ersten Jahren niedriger als bei Ratendarlehen sind. Damit können etwaige Anlaufschwierigkeiten besser verkraftet werden.

Bei Ratendarlehen ist der Betrag, den Sie pro Jahr für die Tilgung und Zinsen aufbringen müssen, in den ersten Jahren höher als beim Annuitätendarlehen, nimmt dann aber ständig ab.

Beurteilen Sie die Kosten eines Kredits nie ausschließlich nach der Höhe der Zinsen!

Um die tatsächlichen Kosten eines Kredits richtig abschätzen zu können, benötigen Sie genaue Informationen über:

  • Zinssatz
  • Laufzeit des Kredits
  • Anzahl der Raten und deren Fälligkeit
  • Nebenkosten des Kredits, Auszahlungs- und Bearbeitungsgebühren
  • Art der Zinsverrechnung (Termin, zu dem die Höhe des Zinsanteils der Rate bestimmt wird)
  • Art der Tilgungsverrechnung (Zeitpunkt, zu dem die Tilgung von der Restschuld abgezogen wird)

Überprüfen Sie, ob Sie einen geförderten Kredit in Anspruch nehmen können.

Leasing

Leasing ist eine häufige Finanzierungsalternative. Investitionsgüter werden nach Abschluss eines Leasingvertrags angemietet und nach einer gewissen Dauer zum vorher vereinbarten Restwert gekauft.

Vorteil des Leasings ist die Schonung des Eigenkapitals, d.h. der Investitionsbetrag muss nicht auf einmal aufgebracht werden. Sie können die Rückzahlungen vor Vertragsabschluss flexibel gestalten.

Nachteile des Leasings sind:

  • Ein einmal abgeschlossener Leasingvertrag ist nicht abänderbar
  • Allgemeine Zinsänderungen verändern die Leasingraten
  • Eine vorzeitige Auflösung des Leasingvertrags oder eine nicht rechtzeitige Zahlung der Raten kann zu höheren Belastungen führen als eine Finanzierung durch einen Kredit

Beraten Sie sich in jedem Einzelfall mit einer Leasingexpertin/einem Leasingexperten (z.B. Wirtschaftreuhänderinnen/Wirtschaftstreuhänder, Unternehmensberaterinnen/Unternehmensberater).

Kontokorrentkredit

Der Kontokorrentkredit dient dem laufenden Geschäfts- und Zahlungsverkehr. Ein von der Bank eingeräumter Kreditrahmen ermöglicht Ihnen, den laufenden Geschäfts- und Zahlungsverkehr zu bewältigen. Sie können über den Kredit bis zur vereinbarten Höhe unbürokratisch frei verfügen. Die Zinsen werden nur für den tatsächlich in Anspruch genommenen Kreditbetrag verrechnet. Da für diese Art der flexiblen Kreditform zusätzlich Spesen und Gebühren anfallen, sollte der Kontokorrentkredit nur als kurzfristiges Finanzierungsmittel eingesetzt werden.

Lassen Sie sich von Ihrer Bank genau beraten, und vergleichen Sie die unterschiedlichen Konditionen.

Lieferantenkredit

Der Lieferantenkredit ist der teuerste aller Kredite. Dies ist auf den ersten Blick oft nicht sichtbar. Er wird formlos gewährt und entsteht dadurch, dass eine Ware nicht sofort bei Erhalt, sondern erst innerhalb einer bestimmten Frist, dem Zahlungsziel, zu begleichen ist (z.B. räumt Ihnen eine Lieferantin/ein Lieferant ein Zahlungsziel von 30 Tagen ein).

Der Satz "Zahlbar innerhalb von zehn Tagen mit Abzug von zwei Prozent Skonto oder innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug" auf einer Rechnung bedeutet, dass innerhalb der ersten zehn Tage zwei Prozent vom Rechnungsbetrag abgezogen werden dürfen. Das entspricht einem Jahreszinssatz von 36 Prozent und sollte, sofern es die Zahlungsfähigkeit erlaubt, auch unter Ausnutzung des Kontokorrentkredits in Anspruch genommen werden.

Stand: 11.01.2016
Hinweis .
Abgenommen durch:
Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft

Bewertung

War diese Information hilfreich? Das Feld "War diese Information hilfreich?" muss ausgefüllt sein!