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Sicherstellung und Beschlagnahme

Wenn bei einer Haus- oder Personendurchsuchung Gegenstände gefunden werden, die für die Untersuchung von Bedeutung sein können, werden sie in einem Verzeichnis aufgeführt und sichergestellt (Sicherstellung). Die Kriminalpolizei nimmt die sichergestellten Gegenstände vorläufig in Verwahrung oder spricht ein Herausgabeverbot bzw. Veräußerungs-/Verpfändungsverbot an andere Personen aus. Wird die Sicherstellung aufgrund einer gerichtlichen Entscheidung durchgeführt oder fortgesetzt, liegt eine Beschlagnahme vor.

HINWEIS
Verweigert der Besitzer die Herausgabe eines Gegenstands, kann die Kriminalpolizei die Sicherstellung mit verhältnismäßigem und angemessenem Zwang durchsetzen. In diesem Fall ist aber auch die Verhängung einer Beugestrafe durch das Gericht möglich, um die Herausgabe zu erreichen. Die Beugestrafe kann aus einer Geldstrafe von bis zu 1.000 Euro oder aus Beugehaft bestehen. Die verfolgte Straftat muss im Verhältnis zur Beugestrafe schwerwiegend sein.

Wenn bei einer Haus- oder Personendurchsuchung Gegenstände gefunden werden, die auf eine weitere Straftat schließen lassen, werden diese ebenfalls sichergestellt. Es muss jedoch darüber ein zusätzliches Protokoll aufgenommen werden, das sofort der Staatsanwaltschaft übermittelt wird. Beantragt diese keine weiteren Ermittlungen, müssen die Gegenstände sofort zurückgegeben werden.

Bei Wertgegenständen, die nicht für die vorgenommene Untersuchung von Bedeutung sind, die aber

  • augenscheinlich aus unrechtmäßiger Bereicherung stammen,
  • kriminellen Organisationen zuzuordnen sind oder
  • der Terrorismusfinanzierung dienen könnten,

ist ebenfalls eine Sicherstellung sowie spätere Beschlagnahme möglich.

HINWEIS
Nähere Informationen zur "Haus- oder Personendurchsuchung" finden sich auf HELP.gv.at

Seit 1. September 2012 können sichergestellte oder beschlagnahmte Gegenstände oder Vermögenswerte, die

  • einem raschen Verderben oder
  • einer erheblichen Wertminderung unterliegen oder
  • sich nur mit unverhältnismäßigen Kosten aufbewahren lassen,

auf Antrag der Staatsanwaltschaft vom Gericht veräußert werden. Die davon betroffenen Personen werden von der Verwertung verständigt.

Die Verwertung muss jedoch solange unterbleiben, als die Gegenstände für Beweiszwecke benötigt werden. Die Verwertung wegen unverhältnismäßigen Aufbewahrungskosten unterbleibt, wenn rechtzeitig ein zur Deckung dieser Kosten ausreichender Betrag von der betroffenen Person erlegt wird.

Beschlagnahme und Öffnen von Briefen und anderen Papieren

Die Beschlagnahme und das Öffnen von Briefen und Papieren unterliegen besonderen Regelungen, um Privatsphäre und Geschäftsgeheimnisse zu schützen.

Diese Maßnahmen sind nur zulässig, wenn

  • sie zur Aufklärung einer vorsätzlich begangenen Straftat beitragen, die mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bestraft wird, und
  • der Beschuldigte sich wegen einer solchen Straftat in Haft befindet bzw. die Vorführung oder Festnahme bereits angeordnet wurde.

Bei der Durchsuchung und Beschlagnahme von Papieren muss dafür gesorgt werden, dass deren Inhalt unbefugten Personen nicht bekannt wird.

Die Beschlagnahme von Briefen muss dem Beschuldigten sofort mitgeteilt werden. Bei Abwesenheit ergeht diese Verständigung an einen Angehörigen.

Gestattet der Beschuldigte die Durchsuchung und Beschlagnahme nicht, werden die Papiere versiegelt bei Gericht hinterlegt. Das Gericht entscheidet dann auf Antrag der Staatsanwaltschaft, ob die Briefe und Papiere durchsucht werden dürfen oder zurückgegeben werden müssen.

Durchbrechung des Bankgeheimnisses

Für Bankinstitute besteht eine Verpflichtung zur Durchbrechung des Bankgeheimnisses, wenn die Auskunft über die Bankkonten und Bankgeschäfte des Beschuldigten zur Aufklärung einer Straftat, die in erster Instanz vor dem Landesgericht verhandelt wird, beiträgt.

Seit 1. September 2012 besteht diese Verpflichtung auch dann, wenn die Auskunft für die Aufklärung erforderlich ist, ob eine Anordnung auf Auskunft für die Sicherung des Verfalls, des erweiterten Verfalls oder einer anderen gesetzlich vorgesehenen vermögensrechtlichen Anordnung in einem Verfahren wegen einer Straftat, für die im Hauptverfahren das Landesgericht zuständig wäre, erlassen werden kann.

HINWEIS
Nähere Informationen zum "Verfall" finden sich auf HELP.gv.at.

Bankinstitute müssen aufgrund der vom Gericht bewilligten Anordnung der Staatsanwaltschaft die entsprechenden Auskünfte geben. Sie sind auch gegenüber dem zur Geheimhaltung über die Erteilung dieser Auskünfte verpflichtet, wenn sonst der Zweck der Untersuchung gefährdet wäre.

Weiterführende Links

Rechtsgrundlagen

Strafprozessordnung (StPO)

Bei allen personenbezogenen Bezeichnungen gilt die gewählte Form für beide Geschlechter und entspricht damit in diesem Text exakt der gesetzlichen Terminologie der Strafprozessordnung (§ 515 Abs. 2 StPO).

Stand: 22.03.2016
Hinweis .
Abgenommen durch:
Bundeskanzleramt – HELP-Redaktion
Erstellt in Zusammenarbeit mit:
Österreichischer Rechtsanwaltskammertag

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