Familienverfahren

Allgemeines

Stellen mehrere Familienangehörige einen Antrag auf internationalen Schutz, werden die Verfahren gemeinsam geprüft. Jedes Familienmitglied erhält aber einen eigenen Bescheid.

Mit der Einbringung eines Antrags auf internationalen Schutz durch eine Asylwerberin/einen Asylwerber gilt ein Antrag auf internationalen Schutz auch für jedes im Bundesgebiet aufhältige minderjährige ledige Kind dieser Person als gestellt und eingebracht.

Liegen bei einer Familienangehörigen/einem Familienangehörigen die Voraussetzungen für die Zuerkennung von internationalem Schutz vor, dann bekommen die anderen Familienangehörigen denselben Schutzstatus.

Als Familienangehörige zählen:

  • Zum Zeitpunkt der Antragstellung minderjährige ledige Kinder zu ihren Eltern und umgekehrt
  • Ehegatten zueinander, sofern die Ehe bereits vor der Einreise der/des subsidiär Schutzberechtigten oder der/des Asylberechtigten bestanden hat
  • Eingetragene Partner zueinander, sofern die Partnerschaft bereits vor der Einreise der/des subsidiär Schutzberechtigten oder der/des Asylberechtigten bestanden hat
  • Die gesetzliche Vertreterin/der gesetzliche Vertreter (Obsorgeberechtigte/Obsorgeberechtigter) zu minderjährigen ledigen Kindern, sofern diese Vertretung bereits vor der Einreise der/des subsidiär Schutzberechtigten oder der/des Asylberechtigten bestanden hat

Nachgeborene Kinder

Wird ein Kind  einer Asylwerberin/eines Asylwerbers bzw.

einer/eines rechtskräftig negativ entschiedenen Fremden erst in Österreich (nach Antragstellung eines Elternteils) geboren, so muss der Elternteil die Geburt des Kindes binnen zwei Wochen dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl melden.

Mit Einlangen der Geburtsanzeige beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl bzw. sobald das Bundesamt auf sonstige Weise Kenntnis von der Geburt erlangt, gilt der Antrag auf internationalen Schutz für das Kind als gestellt und eingebracht.

Sofern keine eigenen Fluchtgründe vorgebracht werden, werden derartige Anträge im Familienverfahren entschieden und derselbe Schutzstatus wie dem Elternteil zuerkannt.

Erforderliche Unterlagen

  • Geburtsurkunde
  • Nach Möglichkeit Vorlage der Aufenthaltsberechtigungskarte, der Karte für subsidiär Schutzberechtigte oder der ersten Seite des Asylbescheids des Elternteils in Kopie

Zuständige Stelle

Jede Regionaldirektion des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl (BFA)

Kosten

Keine

Einreiseantrag im Familienverfahren

Familienangehörige von Asylberechtigten können innerhalb von drei Monaten ab Rechtskraft der Statuszuerkennung der Bezugsperson bei einer österreichischen Vertretungsbehörde im Ausland einen Antrag auf Erteilung eines Einreisetitels (Visum) stellen. Wird dieser erteilt, können sie nach Österreich reisen, um hier einen Asylantrag im Familienverfahren zu stellen und denselben Schutzstatus wie ihre Familienangehörige/ihr Familienangehöriger zu bekommen. Wird der Antrag erst nach drei Monaten gestellt, müssen sie zusätzlich eine adäquate Unterkunft, eine Krankenversicherung und ein ausreichendes Einkommen nachweisen.

Familienangehörige von subsidiär Schutzberechtigten können nach drei Jahren einen Antrag auf Erteilung eines Einreisetitels im Zuge der Familienzusammenführung stellen und müssen zusätzlich eine adäquate Unterkunft, eine Krankenversicherung und ein ausreichendes Einkommen nachweisen.

Ausgenommen von der Verpflichtung des Nachweises der Zusatzvoraussetzungen sind Eltern unbegleiteter minderjähriger Asyl- oder subsidiär Schutzberechtigter.

Familienangehörige

Zu den Familienangehörigen zählen:

  • Der Elternteil eines schutzberechtigten minderjährigen ledigen Kindes
  • Die Ehegattin/der Ehegatte oder die eingetragene Partnerin/der eingetragene Partner einer Schutzberechtigten/eines Schutzberechtigten, sofern die Ehe oder Partnerschaft bereits vor der Einreise der/des subsidiär Schutzberechtigten oder der/des Asylberechtigten bestanden hat
  • Ein zum Zeitpunkt der Antragstellung minderjähriges lediges Kind einer/eines Schutzberechtigten

Verfahrensablauf

Der Antrag muss persönlich bei einer mit konsularischen Aufgaben betrauten österreichischen Vertretungsbehörde mit Sichtvermerks-Befugnis im Ausland gestellt werden. Dazu sind Dokumente und ein Foto erforderlich. Es ist für jede Antragstellerin/jeden Antragsteller ein eigener Antrag notwendig.

Bei Minderjährigen ist ein gesetzlicher oder anderer Vertreter berechtigt, einen Antrag bei der Vertretungsbehörde im Ausland zu stellen. Minderjährige ab 14 Jahren können den Antrag selbst stellen. Befindet sich ein Elternteil als Bezugsperson in Österreich und werden Anträge nur für die minderjährigen Kinder und nicht für den anderen Elternteil gestellt, so ist die Zustimmung des im Herkunftsland verbleibenden Elternteils notwendig (eventuell eine gerichtliche Obsorge-Entscheidung).

Die Vertretungsbehörde verständigt danach das BFA, das der Botschaft eine Stellungnahme übermittelt. Ist es wahrscheinlich, dass einem Antrag auf internationalen Schutz (nach erfolgter Einreise nach Österreich) im Familienverfahren stattgegeben wird, und sind die gegebenenfalls erforderlichen Zusatzvoraussetzungen erfüllt, erteilt die österreichische Vertretungsbehörde der Antragstellerin/dem Antragsteller ein Visum mit viermonatiger Gültigkeitsdauer zur Einreise nach Österreich. Die Antragstellerin/der Antragsteller kann dann in Österreich einen Antrag auf internationalen Schutz einbringen.

Erforderliche Unterlagen

  • Reisepass
  • Heiratsurkunde der Ehegattin/des Ehegatten bzw. Geburtsurkunde von Kindern als Nachweis der Familienangehörigkeit
  • Ausgefülltes Befragungsformular
  • Foto

Zuständige Stelle

Österreichische Vertretungsbehörde im Ausland

Kosten

Keine

Rechtsgrundlagen

Stand: 01.01.2019
Hinweis
Abgenommen durch:
Bundesministerium für Inneres
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