Antragslose Arbeitnehmerveranlagung ("automatischer Steuerausgleich")

Allgemeines

Ein Steuerausgleich (der Fachbegriff lautet "Arbeitnehmerveranlagung") kann mittels Formular beantragt werden, um zu viel bezahlte Lohnsteuer, Sozialversicherungserstattungsbetrag oder den Alleinverdiener- Alleinerzieherabsetzbetrag vom Finanzamt erstattet zu bekommen.

Seit Juli 2017 erfolgt dieser Steuerausgleich unter bestimmten Voraussetzungen automatisch (sogenannte "antragslose Arbeitnehmerveranlagung"). Der Vorteil für steuerpflichtige Personen liegt darin, dass diese (unter bestimmten Voraussetzungen) keine Steuererklärung abgeben müssen, um eine Steuergutschrift zu erhalten. Zu viel bezahlte Lohnsteuer oder ein Sozialversicherungserstattungsbetrag wird automatisch durch die Finanzverwaltung berechnet. Es ergeht somit – ohne Antrag – ein Steuerbescheid, im Anschluss wird der berechnete Gutschriftsbetrag auf das Bankkonto 

Die antragslose Arbeitnehmerveranlagung wird erstmals für das Veranlagungsjahr 2016 durchgeführt. Sie wurde im Rahmen der Steuerreform 2015/2016 eingeführt, damit Personen mit geringem Einkommen oder Mindestpension ihre Steuergutschrift jedenfalls erhalten. Vom automatischen Steuerausgleich profitieren jedoch nicht nur diese Personen, sondern in einem ersten Schritt alle, die nur lohnsteuerpflichtige Einkünfte hatten und denen eine Steuergutschrift zusteht.

Voraussetzungen

Ein automatischer Steuerausgleich (Antragslose Arbeitnehmerveranlagung) erfolgt nur in einem ersten Schritt, wenn

  • bis zum 30. Juni kein Steuerausgleich (keine Arbeitnehmerveranlagung) für das Vorjahr beantragt wurde (d.h. kein Formular L 1 abgegeben wurde),
  • der Steuerausgleich nach den Berechnungen der Finanzverwaltung zu einer Steuergutschrift führt und
  • das Finanzamt aufgrund der Akten Folgendes annehmen kann:
    • Es wurden nur lohnsteuerpflichtige Einkünfte bezogen.
    • Es werden keine besonderen Ausgaben geltend gemacht (z.B. Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen oder Absetzbeträge, z.B. Alleinverdienerabsetzbetrag).

In einem zweiten Schritt wird geprüft ob,

  • bis zum Ablauf des dem Veranlagungszeitraum zweitfolgenden Kalenderjahres keine Abgabenerklärung für den betroffenen Veranlagungszeitraum abgegeben wurde, wenn nicht ist jedenfalls eine antragslose Veranlagung durchzuführen, wenn sich nach der Aktenlage eine Steuergutschrift ergibt.
TIPP
Wer zusätzliche Ausgaben absetzen möchte, kann weiterhin innerhalb von fünf Jahren den Steuerausgleich selbst beantragen. Diese Möglichkeit besteht auch dann, wenn eine antraglose Antrag auf Arbeitnehmerveranlagung bereits durchgeführt worden ist. Geht das Finanzamt davon aus, dass die Steuerzahlerin/der Steuerzahler selbst einen Steuerausgleich durchführt, um zusätzliche Ausgaben geltend zu machen, wird zunächst kein automatischer Steuerausgleich durchgeführt.

Geht die Finanzverwaltung z.B. davon aus, dass die Steuerzahlerin/der Steuerzahler selbst einen Steuerausgleich durchführt, um zusätzliche Ausgaben zu melden, wird zunächst kein automatischer Steuerausgleich durchgeführt.

Liegt jedoch innerhalb von zwei Jahren nach dem Veranlagungszeitraum noch keine Arbeitnehmerveranlagung vor, erfolgt im Fall einer Steuergutschrift immer ein automatischer Steuerausgleich. Beispiel: Hat ein Steuerzahler bis zum 31. Dezember 2018 noch keinen Steuerausgleich für 2016 durchgeführt und gebührt ihm eine Gutschrift, kommt es zu einem automatischen Steuerausgleich.

Verständigung der Betroffenen

Alle Steuerzahlerinnen/Steuerzahler, die erstmals für einen automatischen Steuerausgleich in Betracht kommen durchgeführt wird, erhalten in der zweiten Jahreshälfte des Folgejahres ein Informationsschreiben.

Darin werden die der Finanzverwaltung bekannten Kontodaten der Person angeführt. Sofern diese Datenkorrekt sind, muss die Steuerzahlerin/der Steuerzahler nichts weiter tun. Sind die Kontodaten hingegen nicht aktuell, sollten die aktuellen Daten spätestens innerhalb von vier Wochen dem zuständigen Finanzamt gemeldet werden. Dies ist entweder elektronisch über FinanzOnline oder schriftlich möglich. In dem Schreiben kann auch auf die Durchführung der antraglosen Arbeitnehmerveranlagung verzichtet werden, etwa weil noch zusätzliche Abzugsposten berücksichtigt werden sollen, die in einer Erklärung bekannt gegeben werden.

Aufhebung des Bescheides

Jede/jeder Steuerpflichtige, für die/den ein automatischer Steuerausgleich durchgeführt wird, erhält darüber einen Steuerbescheid. Wer mit diesem Bescheid nicht einverstanden ist, da sie/er z.B. zusätzliche Abzugsposten (z.B. Werbungskosten) geltend machen möchte, kann selbst eine Steuererklärung abgeben. Dann wird über diese selbst eingebrachte Erklärung entschieden und der Bescheid über die antragslose Arbeitnehmerveranlagung aufgehoben.

Folgende Möglichkeiten zur Abgabe der Erklärung gibt es:

  • Elektronisch über FinanzOnline
  • Schriftlich durch Übermittlung des ausgefüllten Formulars L1 an das zuständige Finanzamt

Für die Abgabe einer Steuererklärung gilt auch bei Durchführung einer antragslosen Veranlagung eine Fünf-Jahres-Frist (z.B. kann der Antrag für das Jahr 2016 bis Ende Dezember 2021 gestellt werden).

Sonderausgaben

Ab dem Jahr 2018 müssen bestimmte Sonderausgaben, z.B. Spenden oder Kirchenbeiträge, automatisch von der jeweiligen Organisation an das Finanzamt übermittelt werden. Das bedeutet, dass ab dem Veranlagungsjahr 2017 auch solche Sonderausgaben beim automatischen Steuerausgleich berücksichtigt werden. Voraussetzung dafür ist, dass die jeweilige Organisation (z.B. die spendenbegünstigte Einrichtung) über die Daten der betreffenden Person (Vor- und Nachname, Geburtsdatum) verfügt unddie Datenübermittlung nicht untersagt hat. Ausführliche Informationen zum Thema "Spenden absetzen NEU" finden sich ebenfalls auf HELP.gv.at.

TIPP
Über FinanzOnline kann überprüft werden, ob die Organisation dem Finanzamt die richtigen Beträge gemeldet hat. Diese werden auch am Einkommensteuerbescheid angeführt.

Pensionisten

Pensionistinnen/Pensionisten, die nur eine geringe Pension erhalten und daher keine Lohnsteuer zahlen, müssen keinen Antrag auf Auszahlung der SV-Rückerstattung mehr stellen. Sie erhalten automatisch in Wege der "antragslosen Arbeitnehmerveranlagung" in der zweiten Jahreshälfte des Folgejahres einen Teil ihrer Sozialversicherungsbeiträge zurück. Der Höchstbetrag liegt bei 110 Euro pro Jahr. Bezieht die Pensionistin/der Pensionist eine steuerfreie Ausgleichszulage, wird diese mit der SV-Rückerstattung gegengerechnet.

Allen Pensionistinnen/Pensionisten,  für die ein automatischer Steuerausgleich erstmals durchgeführt wird, erhalten ein Informationsschreiben (siehe "Verständigung des Betroffenen"). Dieses müssen sie nur unter Angabe ihrer aktuellen Kontonummer beantworten.

Voraussetzung für den automatischen Steuerausgleich ist, dass

  • in den beiden vorangegangenen Jahren keine besonderen Ausgaben geltend gemacht hat (z.B. außergewöhnliche Belastungen)  und
  • dass sich aus der Steuerberechnung ein Guthaben ergibt.

Rechtsgrundlagen

§ 41 Abs 2 Einkommensteuergesetz (EStG)

Stand: 03.11.2017
Hinweis
Abgenommen durch:
Bundesministerium für Finanzen
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