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Nachlass

Unter Nachlass werden alle Vermögensrechte und Verbindlichkeiten der Verstorbenen/des Verstorbenen verstanden, die im Wege der Gesamtrechtsnachfolge auf die Erbin/den Erben übergehen.

"Ruhender Nachlass" wird das Vermögen der Verstorbenen/des Verstorbenen von ihrem/seinem Tod bis zur Beendigung des Verlassenschaftsverfahrens genannt.

Es gibt Rechte, die mit dem Tod erlöschen, andere gehen auf die Erbinnen/Erben über.

Vererblich sind beispielsweise:

  • Privatrechtliche Vermögensrechte (z.B. ein Unternehmen, vertragliche Ansprüche, Patent- und Urheberrechte)
  • Ansprüche aus Ablebens- und Unfallversicherungen, die keine Begünstigte/keinen Begünstigten nennen
  • Schadenersatz- und Schmerzengeldansprüche 
  • Das Erbrecht selbst, aber auch Pflichtteilsansprüche und Ansprüche von Vermächtnisnehmerinnen/Vermächtnisnehmern

Bei Miet- und Pachtrechten gibt es eine "Sonderrechtsnachfolge". Bestimmte nahe Angehörige, die zu Lebzeiten der Verstorbenen/des Verstorbenen mit dieser/diesem einen gemeinsamen Haushalt führten, haben im Teil- und Vollanwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes ein sogenanntes Eintrittsrecht:

  • Ehegattin/Ehegatte
  • Eingetragene Partnerin/Eingetragener Partner
  • Verwandte in gerader Linie (Eltern, Großeltern, Kinder, Enkelkinder)
  • Lebensgefährtin/Lebensgefährte
Voraussetzung in diesem Fall ist:
  • Die Lebensgemeinschaft muss mindestens drei Jahre gedauert haben oder
  • Die Wohnung muss zumindest zu Lebzeiten der Verstorbenen/des Verstorbenen gemeinsam mit dieser/diesem bezogen worden sein

Eine Sonderregelung gibt es auch bei den Abfertigungsansprüchen. Bestimmte gesetzliche Erbinnen/Erben erhalten hier einen originären (=direkten) Anspruch. Stirbt eine Arbeitnehmerin/ein Arbeitnehmer, erhalten ihre/seine gesetzlichen Erbinnen/Erben, zu deren/dessen Unterhalt sie/er verpflichtet war, die Hälfte dessen, was die Arbeitnehmerin/der Arbeitnehmer zu diesem Zeitpunkt als Abfertigung bekommen hätte.

HINWEIS

Die Abfertigung fällt nicht in den Nachlass.

Bei den Pensionsansprüchen handelt es sich ebenfalls um direkte Ansprüche der Hinterbliebenen:

Gesellschafterrechte sind vererblich, solange sich aus dem Gesellschaftsvertrag nichts anderes ergibt.

ACHTUNG

Vererblich sind aber auch die Schulden der Verstorbenen/des Verstorbenen. Beispiele sind:

  • Steuerschulden
  • Sozialversicherungsbeiträge
  • Privatrechtliche Verpflichtungen (z.B. Bankverbindlichkeiten)
  • Mietzins- und Betriebskostenrückstände
  • Fällige Versicherungsprämien oder
  • Leasingraten
  • Sozialhilfe- bzw. Mindestsicherungskosten
HINWEIS

Wenn Kinder bzw. die Ehegattin/der Ehegatte gesetzliche Unterhaltsansprüche haben, gehen diese bis zum Wert des Nachlasses auf die Erbinnen/Erben über. Die Berechtigten müssen sich aber alles einrechnen lassen, was sie zu Lebzeiten durch vertragliche oder letztwillige Zuwendungen oder durch öffentlich- oder privatrechtliche Leistungen erhalten haben (Lebensversicherungssumme, Witwen-/Witwerpension oder Waisenpension).

Unvererblich sind beispielsweise:

Stand: 04.01.2016
Hinweis .
Abgenommen durch:
Österreichische Notariatskammer

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